Der Fall Lübcke als Stochastischer Terrorismus

Der Fall Lübcke ist meines Erachtens ein Fall Stochastischen Terrorismus, ein Begriff der seit einigen Jahren für Gewalt- und Terroranschläge genutzt wird, die von einem scheinbar zufälligen, alleine handelnden, aber gut vernetzten Täter begangen werden, die durch radikalisierende Nutzung von Massenmeden inspiriert werden und die daher kaum einzudämmen sind.

Es handelt sich bei Stephan E. um einen offensichtlich gut vernetzten Nazi, der auf die massenhaft geäußerten und viral gegangenen Todesdrohungen gegen Lübcke reagierte und diese in die Tat umsetzte. Dazu passen die neuen Organisationsformen des Rechtsextremismus, der sich nicht mehr in sichtbaren Verbänden und Gruppierungen vernetzt, sondern die Möglichkeiten des Internets zur flüchtigen, spontanen Organisation nutzt.

Rechtsextreme Gruppierungen wie der Verein “Sturm 18” und der “Freie Widerstand” wurden verboten oder treten öffentlich nicht mehr in Erscheinung. Die klassische Kameradschaft gebe es immer weniger, lediglich die NPD und Identitäre Bewegung würden noch sichtbar auftreten.

“Das hat damit zu tun, dass es dieser Organisationformen nicht mehr bedarf”, sagte Becker. Menschen kommunizierten anders, soziale Netzwerke spielten eine große Rolle. Statt lokaler Vernetzung erlebe man eine hohe Mobilität zu Veranstaltungen mit rechten Anknüpfungspunkten. So komme es zu skurrilen Mischungen, beispielsweise mit der Kampfsport-, Gelbwesten- oder Hooliganszene. “Selbst wenn es sich um einen Einzeltäter handeln sollte, darf man nicht davon ausgehen, dass er völlig isoliert von anderen Personen mit rechtsextremer Einstellung ist”, sagte Becker.

Interessant und keinesfalls neu ist nun an diesem Fall des stochastischen Terrorismus ist nun, dass die Morddrohungen gegen den Politiker nicht von einer zentrale Instanz geäußert wurden (wie es beim Setting des klassischen Begriff des Stochastischen Terrorismus aus dem „War on Terror“ der 2000er noch der Fall ist), sondern dass die Morddrohungen aus einem (digitalen) Schwarm kamen. Verstärkt wurden diese viralen Drohungen durch prominente rechte Accounts und die AFD, deren Äußerungen immer hart an der Legalität entlangschrammen.

Grade prominente Rechte sind in einer massenmedialen Welt ein Kernfaktor für diese Form des Terrorismus. Sie multiplizierten die Viralität der Hetze gegen Lübcke, produzierten durch diese Viralität eine Art „Ambient Threat“ und sorgten so für ein Bedrohungsklima, in dem der bereits radikalisierte Stephan E. die virale Mordphantasie des rechten Schwarms umsetzen konnte. Die Viralität der Nazi-Hetze zeigt hier eine Parallele zum Terroranschlag von Christchurch, der ebenfalls einen Akt stochastischen Terrors darstellte.

Wenn der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, nun Vorwürfe bestreitet, die AfD habe den Nährboden für derartige Taten bereitet, dann hat er entweder keinerlei Ahnung von den Bedingungen moderner, vernetzter Gesellschaften oder er lügt. Ich vermute beides.

Ansonsten, dies:

The more you express yourself – the more we own you 😶

17. Juni 2019 12:33 | #Allgemein #Deepfake #Facebook #Kunst #synch

Algo-Zuck sez: „I wish I could keep telling you that our mission in life is connecting people, but it isn’t. We just want to predict your future behaviors.“

SPECTRE showed me how to manipulate you into sharing intimate data about yourself and all those you love for free. The more you express yourself – the more we own you 😶

Deepfake Zuckerberg and Deepfake Kardashian love manipulating people online for money!

12. Juni 2019 11:55 | #Allgemein #Deepfake #Kunst #synch #Tech

Großartige Arbeit von Medienkünstler Bill Posters (Mitgründer des bekannten Brandalism-Kollektivs), der für seine Installation SPECTRE eine ganze Reihe von Deepfakes produziert hat. Mark Zuckerberg erzählt nun auf Instagram, wie er das Datensammeln von SPECTRE gelernt hat (anscheinend in Anlehnung an die Villain-Orga von Blofeld aus James Bond) und Kim Kardashian erzählt freimütig, wie geil sie es findet, Leute im Netz für Geld zu manipulieren.

Fake-Zuck sez: „Imagine this for a second: One man, with total control of billions of people’s stolen data, all their secrets, their lives, their futures. I owe it all to Spectre. Spectre showed me that whoever controls the data, controls the future.“

Fake Kardashian sez: „When there’s so many haters I really don’t care because their data has made me rich beyond my wildest dreams my decision. To believe in SPECTRE literally gave me my ratings and my fan base. I feel really blessed because I genuinely love the process of manipulating people online for money.“

Facebook/Instagram sah sich zu einem Statement gezwungen: „According to a spokesperson, Facebook will not be removing the video, following the same policy applied to a distorted, viral video of House Speaker Nancy Pelosi only a few weeks ago. ‘We will treat this content the same way we treat all misinformation on Instagram’, a spokesperson told The Verge. ‘If third-party fact-checkers mark it as false, we will filter it from Instagram’s recommendation surfaces like Explore and hashtag pages.’“

Spectre, a new art installation by Bill Posters and Daniel Howe, is poised to reveal the secrets of the Digital Influence Industry, but only if you are willing, as the artists say, to ‘pray at the altar of Dataism with the Gods of Silicon Valley’. […]

Spectre interrogates and reveals many of the common tactics and methods that are used by corporate or political actors to influence people’s behaviours and decision making. This runs through all aspects of the project, from our social media strategy featuring celebrity ‘Influencers’; to the A/B testing processes used in development; to the ‘personalised’ features integral to the gaming industry; to the technologies, algorithms and behavioural profiling used throughout Spectre’s system. In response to the recent global scandals concerning data, democracy, privacy and digital surveillance, we wanted to tear open the ‘black box’ of the digital influence industry and reveal to others what it is really like.

As part of Spectre, Bill Posters and Daniel Howe have collaborated with leading AI technology start-ups including CannyAI, Respeecher and Reflect, to create a range of AI-generated ‘deep fake’ celebrities – including dead and living artists – that push the fields of generative art and digital storytelling to new heights.

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Ein Beitrag geteilt von Bill Posters (@bill_posters_uk) am Jun 7, 2019 um 7:15 PDT

[Memetik-Links 9.6.2019] Youtube als Leitmedium für Jugendliche; Youtube als Wut-Distributor; Youtube als Radikalisierungsalgorithmus

• Cnet entdeckt im Jahr 2019 das Phänomen der Angry Videogame Nerds und behauptet, das sei neu: Meet the angry gaming YouTubers who turn outrage into views: The video game world is no stranger to controversy, but a new class of YouTube commentators is turning anger into influence.

‘Being mean is lucrative’: queer users condemn YouTube over homophobic content:

“When YouTube allowed monetization for all creators, it empowered a group of people to create content, not because they were passionate about it, but because it made them a lot of money,” Blaque said. “With that, you have people who inevitably find out that being mean to other people is lucrative.”

“When YouTube allowed monetization for all creators” impliziert, YT solle Monetarisierung nur für bestimmte Nutzergruppen erlauben, eine absurde Vorstellung. Und ja, „gemein sein“ (also vor allem: „wütend sein“) zahlt sich aus. Rants sind die Posting-Form mit dem meisten Engagement (und sind daher am lukrativsten) auf allen Plattformen seit es Internet gibt, und zwar aus psychologischen Gründen. Deshalb müssen wir aber Netzwerkeffekte der Wut reden, über verteilte Verantwortung („Distributed Responsibility“) und Stochastisches Mobbing (in Anlehnung an Stochastischen Terrorismus) und wie Plattform-Design diesen Effekten entgegenwirken kann. Wir sollten ebenfalls eine offene Diskussion darüber führen, ob Bad Actors (vulgo „Arschlöcher“) und geschützte Minderheiten auf gemeinsamen quasi-infrastrukturellen Plattformen koexistieren können und wie wir mit den resultierenden psychologischen Effekten umgehen sollen.

Es könnte helfen, sich an den Offline-Orten umzusehen, die genau solche infrastrukturellen Zusammenkunftsorte darstellen: Schulen. Dort kommen Menschen aller Art zusammen und auch dort kommt es zu denselben Phänomenen des memetischen Mobbings etwa durch Gerüchte oder Rufmord, die sich oft auch in Gewalt entladen. Es haben sich dort Mechanismen herausgebildet, die dem entgegenwirken: Streetworker, Vertrauenslehrer, Mentoren – zu all diesen Berufen gibt es (noch) kein Online-Äquivalent. YT und generell Plattformen haben die Verantwortung, neue Berufe rund um menschliche Kommunikation und Online-Publishing zu erfinden („De-Eskalierer“, „Verhandlungsführer“, „Schiedsrichter“, „Schlichter“) zu erfinden und mehr gutbezahlte Content-Moderatoren einzustellen, denn –>

„Für Jugendliche ist YouTube ein Leitmedium“. Und da Massenmedien durch ihre Synchronisationsfunktion nicht weniger als Gesellschaft konstituieren, ist Youtube der Ort, an dem Jugendliche ihre Gesellschaft aushandeln. YT muss sich dieser Verantwortung bewusst werden. Hier die Studie: Jugendliche nutzen YouTube als Bildungs- und Kulturort.

• Ein Gericht in Santa Clara County hat die Beweisaufnahme im Prozess gegen Google wegen der Job-Diskriminierung von Konservativen angeordnet: Google discrimination case first brought by James Damore can proceed und Google must face lawsuit alleging hiring bias against conservatives, judge rules. Ich schätze mal, in den internen Mailinglisten und auf den Chatservern werden jetzt grade fleißig Postings gelöscht. James Damores „Google-Memo“ hatte vor zwei Jahren eine globale Debatte um den Anteil von Frauen in Tech-Berufen ausgelöst, Damore hatte in einem internen Paper wissenschaftliche Studien zusammengetragen, die eine alternative Erklärung zum geringeren Interesse von Frauen an Tech-Berufen lieferten, die vom gängigen identitär-feministischen Narrativ der Diskriminierung abweicht. Er wurde daraufhin gefeuert und Medien (auch in Deutschland) überschlugen sich mit persönlichen Angriffen auf den angeblichen Sexisten. Die Anklage kann nun interne Dokumente, Chatprotokolle und Herausgabe von Mails von Google einklagen und es dürften einige interessante Dinge dabei ans Tageslicht kommen. Mein Mitleid mit der illiberalen Linken auf dem Google Campus hält sich in Grenzen, sie (und die beteiligten Medien) haben sich dieses Desaster selbst zuzuschreiben.

The Making of a Youtube-Radical:

YouTube has been a godsend for hyper-partisans on all sides. It has allowed them to bypass traditional gatekeepers and broadcast their views to mainstream audiences, and has helped once-obscure commentators build lucrative media businesses.

It has also been a useful recruiting tool for far-right extremist groups. Bellingcat, an investigative news site, analyzed messages from far-right chat rooms and found that YouTube was cited as the most frequent cause of members’ “red-pilling” — an internet slang term for converting to far-right beliefs. A European research group, VOX-Pol, conducted a separate analysis of nearly 30,000 Twitter accounts affiliated with the alt-right. It found that the accounts linked to YouTube more often than to any other site.

The Disturbing Power of Information Pollution: We are polarized, not just over values, and not even over just the facts — but over the very standards for knowledge we employ.

Culture Wars in the Knitting-Scene still going strong

Podcasts

Psychiater über echte und falsche Opfer im Netz: In der Opferrolle gewinnt man Autorität (MP3): Opfer zu werden, heißt ausgeliefert sein – keine erstrebenswerte Rolle. Dennoch generiert sie im Netz immer wieder Aufmerksamkeit. Der Psychiater Jan Kalbitzer sieht hinter ausgedachten Opfer-Inszenierungen auch den Wunsch nach Anerkennung und Immunität.

In conversation: Natalie Wynn on Seizing Ground in Reactionary-Occupied Youtube: Current Affairs editor-in-chief Nathan J. Robinson and contributing editor Aisling McCrea sits down with left-wing Youtube superstar Natalie Wynn (aka Contrapoints) to talk about her work making unforgettable left-wing videos in the Age of Reactionary-Occupied Youtube.

Rebel Wisdom: David Pakman: Politics, media & reality tunnels (too much talk about Dave Rubin in this one, but the interview gets interesting in the second half).

Textbasierte Videobearbeitung durch Editierung des Transkripts

In Stanford haben sie einen Algorithmus entwickelt, der die Bearbeitung von Videos erlaubt, in dem man den Text des Dialogs ändert. Der Algo beschränkt sich derzeit auf „Talking Head“-Videos, also Clips von Leuten die in die Kamera labern. Die Technologie editiert gleichzeitig Audio und Video, ist also eine hervorragende Methode, um Film-Dialoge in Post-Production zu ändern, oder eben um Karrenbauer, Trump oder Youtubern in Post-Truth alle möglichen Worte in den Mund zu legen weil nothing is real.

Stanford News: Stanford engineers make editing video as easy as editing text
Paper: Text-based Editing of Talking-head Video

Should an actor or performer flub a word or misspeak, the editor can simply edit the transcript and the application will assemble the right word from various words or portions of words spoken elsewhere in the video. It’s the equivalent of rewriting with video, much like a writer retypes a misspelled or unfit word. The algorithm does require at least 40 minutes of original video as input, however, so it won’t yet work with just any video sequence.

As the transcript is edited, the algorithm selects segments from elsewhere in the recorded video with motion that can be stitched to produce the new material. In their raw form these video segments would have jarring jump cuts and other visual flaws.

To make the video appear more natural, the algorithm applies intelligent smoothing to the motion parameters and renders a 3D animated version of the desired result. However, that rendered face is still far from realistic. As a final step, a machine learning technique called Neural Rendering converts the low-fidelity digital model into a photorealistic video in perfect lip-synch.

Ethical Considerations:

Our text-based editing approach lays the foundation for better editing tools for movie post production. Filmed dialogue scenes often require re-timing or editing based on small script changes, which currently requires tedious manual work. Our editing technique also enables easy adaptation of audio-visual video content to specific target audiences: e.g., instruction videos can be fine-tuned to audiences of different backgrounds, or a storyteller video can be adapted to children of different age groups purely based on textual script edits. In short, our work was developed for storytelling purposes.

However, the availability of such technology — at a quality that some might find indistinguishable from source material — also raises important and valid concerns about the potential for misuse. Although methods for image and video manipulation are as old as the media themselves, the risks of abuse are heightened when applied to a mode of communication that is sometimes considered to be authoritative evidence of thoughts and intents. We acknowledge that bad actors might use such technologies to falsify personal statements and slander prominent individuals. We are concerned about such deception and misuse.

Therefore, we believe it is critical that video synthesized using our tool clearly presents itself as synthetic. The fact that the video is synthesized may be obvious by context (e.g. if the audience understands they are watching a fictional movie), directly stated in the video or signaled via watermarking. We also believe that it is essential to obtain permission from the performers for any alteration before sharing a resulting video with a broad audience. Finally, it is important that we as a community continue to develop forensics, fingerprinting and verification techniques (digital and non-digital) to identify manipulated video. Such safeguarding measures would reduce the potential for misuse while allowing creative uses of video editing technologies like ours.

Youtube löscht Holocaust-Leugnung und Nazis, demonitarisiert Rightwing-Latenighter

Youtube entfernt endlich extremistische Videos, Clips die den Holocaust leugnen und Verschwörungstheorien um Gewaltakte wie Terroranschläge oder Amokläufe: „YouTube announced plans on Wednesday to remove thousands of videos and channels that advocate neo-Nazism, white supremacy and other bigoted ideologies in an attempt to clean up extremism and hate speech on its popular service. The new policy will ban ‘videos alleging that a group is superior in order to justify discrimination, segregation or exclusion’, the company said in a blog post. The prohibition will also cover videos denying that violent events, like the mass shooting at Sandy Hook Elementary School in Connecticut, took place.“

Gleichzeitig haben sie den Channel des Rightwing-Latenighters Steven Crowder demonetarisiert. Mit dieser Lösung in der Sache Maza/Crowler kann ich gut leben: „After nearly a week of sustained controversy, YouTube announced Wednesday that the platform will demonetize the channel of one of its most popular right-wing users due to ‘continued egregious actions’ after his harassment of a gay journalist in his videos was called out. […] However, YouTube will not be removing Crowder’s channel from the platform, spokespeople told VICE in an email.“

Studie: Internet-Nutzung verändert kognitive Fähigkeiten

Eine weitere Studie bestätigt Befürchtungen, dass das Netz kognitive Fähigkeiten verändert. Laut diesem Paper sinkt bei starker Internet-Nutzung die Konzentrationsfähigkeit, während Social Media unser Sozialverhalten ändert: Research reveals how the Internet may be changing the brain: “The bombardment of stimuli via the Internet, and the resultant divided attention commonly experienced, presents a range of concerns,” said Professor Sarris. “I believe that this, along with the increasing #Instagramification of society, has the ability to alter both the structure and functioning of the brain, while potentially also altering our social fabric.“

Konkret entsprechen die neuronalen Reaktionen des Gehirns auf soziale Interaktion im Netz denen im echten Leben, sie werden allerdings durch Mechaniken und Designs der Plattformen verstärkt und verzerrt. Während beispielsweise eine Zurückweisung im echten Leben offen für Interpretation bleibt, wird sie online durch Engagement-Zahlen (Likes, Shares) fixiert, womit psychologische Auswirkungen einer Zurückweisung online stärker wahrgenommen werden, als offline. Social Media quantifizieren den Erfolg oder den Fehlschlag sozialer Interaktionen und erhöhen damit deren Wirkung. Hierzu addiert sich die die suchterzeugende Natur des engagement-basierten Designs der Plattformen.

Ein weiteres im Paper genanntes Beispiel ist die des sozialen Vergleichs nach oben, in dem man sich mit Personen vergleicht, die einen höheren Status innehaben. Ein völlig normaler Vorgang, der online allerdings durch die exponentiell gesteigerte Sichtbarkeit solcher Personen sowie die Tendenz, online vor allem nur „gute Seiten“ zu zeigen und dazu auch Bilder zu manipulieren eine gesteigerte Intensität aufweist.

Medical Express: Research reveals how the Internet may be changing the brain
Paper: The “online brain”: how the Internet may be changing our cognition

Aus dem Paper:

Social cognitive responses to the online social world

Given the evidence […], an appropriate metaphor for the relationship between online and real-world sociality could be a “new playing field for the same game”. Even beyond the fundamental structure, emerging research suggests that neurocognitive responses to online social occurrences are similar to those of real-life interactions.

For instance, being rejected online has been shown to increase activity in brain regions strongly linked with social cognition and real-world rejection (medial prefrontal cortex) in both adults and children. However, within the “same old game” of human sociality, online social media is bending some of the rules – potentially at the expense of users17. For instance, whereas real-world acceptance and rejection is often ambiguous and open to self-interpretation, social media platforms directly quantify our social success (or failure), by providing clear metrics in the form of “friends”, “followers”, and “likes” (or the potentially painful loss/absence of these).

Given the addictive nature of this immediate, self-defining feedback, social media companies may even capitalize upon this to maximally engage users. However, growing evidence indicates that relying on online feedback for self-esteem can have adverse effects on young people, particularly those with low social-emotional well-being, due to high rates of cyberbullying, increased anxiety and depression, and increased perceptions of social isolation and exclusion among those who feel rejected online.

Another process common to human social behaviour in both online and offline worlds is the tendency to make upward social comparisons. Whereas these can be adaptive and beneficial under regular environmental conditions, this implicit cognitive process can also be hijacked by the artificial environmental manufactured on social media, which showcases hyper-successful individuals constantly putting their best foot forward, and even using digital manipulation of images to inflate physical attractiveness.

By facilitating exposure to these drastically upward social comparisons (which would rarely be encountered in everyday life), online social media can produce unrealistic expectations of oneself – leading to poor body image and negative self-concept, particularly for younger people.

Ripperologisten trollen Historikerin

Ripperologisten trollen Historikerinnen, die die klassische Mythologie des Serienkillers angreifen: Jack the Ripper’s victims had to be whores. Anyone saying different risks a trolling und Historian speaks of ‘constant trolling’ over Jack the Ripper book.

Sehr typisches Verhalten, grade auf Social Media, wo Fiktionen basierend auf Folk Etymologie (also der Bedeutung von Worten und Symbolen im „Volksmund“) immer stärker verteidigt wird (werden kann), als Aktualisierung veralteter Ansichten durch wissenschaftlich belegbare Fakten. Anders gesagt: Für den normalen User ist es weitaus wertvoller, daran zu glauben, dass seine Version der Welt stimmig ist (inklusive Mythen, Märchen, urbanen Legenden, Verschwörungstheorien und so weiter), die vor allem dem Zusammenhalt seiner sozialen Umgebung dient, als ein Update durch Wissenschaft, die keinerlei Vorteile bringt. In diesem Fall, und ich bin normalerweise wirklich nicht sehr schnell mit diesem Vorwurf, sehr wohl gepaart mit ahistorischer Frauenfeindlichkeit, die die Opfer des berüchtigsten Serienkillers der Welt nur und NUR als Huren sehen möchte.

Deshalb halten Ripperologisten alle Opfer von Jack für Huren und alle Historikerinnen, die das Gegenteil belegen, greifen ihre (stabile) soziale Umgebung an, also werden sie weggetrollt.

In other News: Ripperologists exist.

A historian who has told the true story of Jack the Ripper’s victims has spoken of the “offensive”, “stupid” and almost “laughable” trolling she has received from Ripperologists. Hallie Rubenhold said she had even been compared to Holocaust denier David Irving for her book, in which she challenges the traditional narrative that the murdered women were all sex workers.

The reaction had been extraordinary, Rubenhold told the Hay festival. “I knew it [the book] was going to be controversial. I had no idea how controversial. There are people out there who feel they have ownership of these women’s stories and there is an orthodoxy.

“If you question those ‘facts’, then God have mercy on you. The response I’ve had to this has been unbelievable.” Rubenhold argues three of the five women were not sex workers and paints a more rounded picture of their lives. This has led to accusations of Rubenhold having a cynical, feminist agenda and that she was trying to make Jack the Ripper work for the #Me Too age. “Well, #MeToo hadn’t actually happened when I started writing the book,” she said.

“It is absolutely absurd, it’s offensive and it’s laughable. The amount of trolling … and it’s constant.”

[Memetik-Links 5.6.2019] Neue Muster der Synchronisation, Junk News Aggregator, Fake News Generator und Netzwerke der Stil-Elemente

This book sounds a lot like a 2019-version of Susan Blackmores Power of Memes: Slate Star Codex: BOOK REVIEW: THE SECRET OF OUR SUCCESS

For Heinrich, humans started becoming more than just another species of monkey when we started transmitting culture with high fidelity. Some anthropoligsts talk about the Machiavellian Intelligence Hypothesis – the theory that humans evolved big brains in order to succeed at social manuevering and climbing dominance hierarchies. Heinrich counters with his own Cultural Intelligence Hypothesis – humans evolved big brains in order to be able to maintain things like Inuit seal hunting techniques. Everything that separates us from the apes is part of an evolutionary package designed to help us maintain this kind of culture, exploit this kind of culture, or adjust to the new abilities that this kind of culture gave us. […]

Heinrich thinks culture accumulates through random mutation. Humans don’t have control over how culture gets generated. They have more control over how much of it gets transmitted to the next generation. If 100% gets transmitted, then as more and more mutations accumulate, the culture becomes better and better. If less than 100% gets transmitted, then at some point new culture gained and old culture lost fall into equilibrium, and your society stabilizes at some higher or lower technological level. This means that transmitting culture to the next generation is maybe the core human skill. The human brain is optimized to make this work as well as possible.

Memes, Genes, and Sex Differences — An Interview with Dr. Steve Stewart-Williams:

Natural selection sheds light as well on various aspects of human nature that are controversial, and that many people would rather chalk up to learning, socialization, and culture. This includes various sex differences, a range of mate preferences, and our tendency to favor relatives over unrelated individuals.

And on top of all that, a kind of natural selection operates in the realm of culture itself. To cut a long story short, selection in the realm of culture crafts cultural products whose ultimate function is to pass themselves on and keep themselves alive in the culture. Often, they do this by helping us or the groups to which we belong. Sometimes, though, cultural products keep themselves alive in the culture without benefiting us or our groups, or even while actively harming us.

• Kreativität am Beispiel der Mode als modulares Netzwerk aus Kreativ-Elementen (Stoff, Farbe, Schnitt, Form, whatever): A theory of style: „We can analyse how fashion works by breaking it down into networks of style elements. What role, then, for human creativity?“ Die Rolle der Kreativität wäre dann das Arrangement der einzelnen Elemente, die zusammen eine Summe bilden, die größer ist als seine einzelnen Teile, und neues Muster darstellt: eine Interferenz aus den einzelnen Design-Pattern.

What do we do when everything online is fake? If anything can be faked, then everything can be, so why not believe what you want to? This is a much more dangerous prospect than people trusting what they see, and being fooled now and again. It is a future that serves despots far better than democracies.

• Welcome to the Junk News Aggregator! We track the distribution of “junk news” on Facebook.

Besuch aus Digital Dystopia: Vom Künstler zum Werber und zurück: Marcus John Henry Brown blickt bei seinen Performance-Hacks in die Zukunft – die sieht nicht immer erfreulich aus. Uraufführung von “Chemistry” bei der Munich Marketing Week.

What do we do about the “shallowfake” Nancy Pelosi video and others like it? und Facebook’s Dystopian Definition of ‘Fake’ und About That Pelosi Video: What to Do About ‘Cheapfakes’ in 2020: Was ich ja völlig faszinierend finde an der Debatte um das Pelosi-Video, ist die völlige Abwesenheit auch nur einer einzigen Erwähnung der Micro-Meme der Drunk Trump-Videos, die ursprünglich auf Boing Boing auftauchten und von Kimmels Late Night popularisiert wurden. Freilich: Kimmel ist obvious Comedy und Boing Boing hat seinen YT-Upload immerhin mit „Trump slowed down 50%“ betitelt, außerdem wurden diese Videos nicht, soweit ich weiß, vom fucking Präsidenten der Vereinigten Staaten auf Twitter geteilt. Dennoch werde ich das Gefühl von ein bisschen Bigotterie innerhalb speziell dieser Debatte nicht los. Mal wieder, leider.

• „Belief polarization renders us more extreme, in two sense of the term. First, when we surround ourselves only with likeminded others, we become inordinately confident in our commitments. Thus in the course of belief polarization, one who is inclined to believe that climate change is a hoax will become more convinced that it is. Second, belief polarization also leads us to adopt more extreme beliefs.“

• „Over a month after Facebook announced a ban of a number of white nationalist, white supremacist, and other hate groups, they are still on the platform and continue to use it for recruitment.“ Mehr gutbezahlte (menschliche) (nicht-ausgelagerte) Plattform-Moderatoren, repeat: Mehr gutbezahlte (menschliche) (nicht-ausgelagerte) Plattform-Moderatoren!

• Fake News-Schreiber in Mazedonien verdienen rund 24 Euro am Tag, oder 720 Euro im Monat.

Podcasts

• The art magazine Spike hosted a discussion on cancel culture and the current state of the art world on 20 May 2019 at Spike Berlin. Moving beyond a mere for/against approach to the question we seek to address why is cancel culture even happening and why now? Is the art world responding differently to these issues than the entertainment or publishing industry, has cancel culture become as dominant as in other industries, or is somehow the art world protecting its artists/producers/power players better?
Participants were Krist Gruijthuijsen, director of KW Institute Berlin, Mathieu Malouf, New York based artist, and Nina Power, a philosopher and cultural theorist based in London.

Medienwissenschaftler über Rezo und Co. – Die neue Neugier der Jugend (MP3, Info): 55 Minuten Vortrag über ein komplexes Thema, angereichert mit zahllosen Quellenangaben: Youtuber Rezo sei ein Beispiel für die Rückkehr der Vorlesung, wie es sie zu Beginn der Universität im späten Mittelalter gegeben habe, sagt Medienwissenschaftler Christoph Engemann von der Bauhaus-Universität Weimar.

• hör!spiel!art.mix über Kreativität: Geert Lovink, Direktor Institute of Network Cultures (MP3): In einer lockeren Reihe widmet sich der hör!spiel!art.mix der neuen Kreativität: Wie haben sich Bedingungen künstlerischer Produktion verändert? In der fünften Ausgabe ein Gespräch mit dem niederländisch-australischen Netztheoretiker Geert Lovink.

Papers

• Zur Identifizierung von AI-generierten Fake News haben Wissenschaftler einen Fake-News-Generator programmiert. Hier das Paper: Defending Against Neural Fake News. Der Algo identifiziert seine eigenen AI-generierten Artikel korrekt als Fake, leider in einer Gegenprobe auch alle von Menschen getippten Artikel.

Is cyberbullying a group process? Online and offline bystanders of cyberbullying act as defenders, reinforcers and outsiders: I

It was found that some students are passive outsiders of cyberbullying online and passive outsiders of cyberbullying in face-to-face situations. Being an outsider was the most common type of cyber-bystanding. Although reinforcing the cyberbully online and in face-to-face situations was not very common, it should be emphasized that participants rarely defended the victim. Given that defending the victim is an important component of antibullying programs (Farrington & Ttofi, 2009), our findings suggest that it would be important to include this component in the interventions against cyberbullying. Given that high empathy was found to be related to more defending (Nickerson, Aloe, & Werth, 2015; Zych et al., 2019), specific interventions could be designed to promote empathy in online interactions. […]
Technology seems to increase the number of bystanders (Jenaroa, Floresa, & Frías, 2018). Bullying and high emotional use in online interactions are related to high abuse of technology (Nasaescu, Marín-López, Llorent, Ortega-Ruiz, & Zych, 2018).

Noise // Synchronisation

Scientists Discover Exotic New Patterns of Synchronization: In a world seemingly filled with chaos, physicists have discovered new forms of synchronization and are learning how to predict and control them. […] In a seminal paper in 2014, Louis Pecora of the United States Naval Research Laboratory and his co-authors put the pieces together about how to understand synchronization in networks. Building on previous work, they showed that networks break up into “clusters” of oscillators that synchronize. A special case of cluster sync is “remote synchronization,” in which oscillators that are not directly linked nonetheless sync up, forming a cluster, while the oscillators in between them behave differently, typically syncing up with another cluster. Remote synchronization jibes with findings about real-world networks, such as social networks. “Anecdotally it’s not your friend who influences your behavior so much as your friend’s friend,” D’Souza said.

• Gehirnwellen synchronisieren sich bei gemeinsamen Aktivitäten (wie beispielsweise Musik-Konzerte oder im Kino). Sogenannte Hyperscans zeigen nun zum ersten mal, wie das konkret aussieht: “Hyperscans” Show How Brains Sync as People Interact. Ich spekuliere, dass Social Media-Aktivität ebenfalls zur Synchronisation von Hirnwellen führt und narrative Wellen gezielt genutzt werden können, um Menschen und ganze Gesellschaften zu synchronisieren.

• Einer der ersten konkreten Beweise für prähistorisches, synchronisiertes Schwarmverhalten: A 50-million-year-old fossil captures a swimming school of fish.

What Randomness looks like: Try to uniformly sprinkle sand on a surface, and it might look like the pattern on the right. You’re instinctively avoiding places where you’ve already dropped sand. Random processes have no such prejudices, the grains of sand simply fall where they may, clumps and all. It’s more like sprinkling sand with your eyes closed. They key difference is that randomness is not the same thing as uniformity. True randomness can have clusters, like the constellations that we draw into the night sky.

Youtube, Crowder, Maza und memetische Dynamiken stochastischen Mobbings

Der homosexuelle Vox-Youtuber Carlos Maza wird von Steven Crowder gemobbt, einem sehr bekannten Pro-Trump-Youtuber. Youtube weigert sich, die Videos runterzunehmen und bezieht sich dabei auf ihre Terms of Service, die in der Tat „hurtful Content“ verbieten, nicht aber die Nutzung „verletzender Sprache“, wie bei Crowder.

Das Stichwort hier ist, wie so oft in Fällen der massenhaften (memetischen) Online Belästigung, Stochastischer Terrorismus, ein Begriff, der ursprünglich 2011 nach dem Anschlag auf US-Politikerin Gabby Giffords benutzt wurde, um „lone wolf terrorism“ in Zeiten der Massenmedien zu beschreiben: „Stochastic terrorism is the use of mass communications to stir up random lone wolves to carry out violent or terrorist acts that are statistically predictable but individually unpredictable.“

Für die Adaption des Begriffs auf Social Media und die memetischen Kaskaden „verletzender Sprache“ brauchen wir hier einen neuen Begriff, denn, auch wenn es mir schwerfällt: Die wenigsten Rightwinger nutzen ihre „verletzende Sprache“ absichtlich, um massenhafte Hatespeech-Kaskaden auszulösen. Ein Crowder will einen derben, verletzenden Witz machen, der seinen politischen Gegner auch auf persönlicher Ebene angreift, aber ich glaube in keiner Sekunde daran, dass Crowder absichtlich tausende seiner Follower auf Carlos Maza hetzt. Freilich: Er stört sich auch nicht besonders daran.

Da der Begriff Terrorismus an dieser Stelle völlig unangebracht ist und die Debatte verzerrt, müssen wir in diesen Fällen (wie in tausenden anderen Fällen auch, von Drachenlord bis Sarkeesian) von einer Art „memetischen Dynamik des stochastischen Mobbings“ reden. Ein prominenter Social Media-Account gibt eine Vorlage mit grenzwertig-rassistischen oder grenzwertig-homophoben Inhalten und seine Follower imitieren ihn, for the lulz.

Jeder einzelne Account, der sich an diesen Kaskaden beteiligt, kann sich auf die Position zurückziehen, dass man nur „einen harmlosen Witz“ gemacht habe, der als einzelnes Posting völlig ohne Bedeutung ist. In der Masse aber, garniert mit den einzelnen Ausreißern tatsächlicher Psychopathen (den lone wolves eben), die realistisch mit Gewalt drohen und private Informationen ihrer Opfer veröffentlichen, ergibt sich hier eine tatsächlich verletzende Gewalt durch Massenmedien. Der „hurtful Content“, den Youtube laut seinen TOS verbietet, sind in diesem Fall nicht alleine Crowders Video, sondern die Shirts seiner Follower, die Tweets seiner Fans, die Maza angreifen, die Blogposts, die gesamte komplette Dynamik. Ich bin deshalb schon seit langem für einen Konsens der moralischen Verantwortlichkeit für jeden einzelnen beteiligten Account, der sich an Phänomenen wie Dogpiling beteiligt.

Leider schreiben Linke nun lieber Bullshit über Terms of Service und Maza zieht sich natürlich auf Identitätspolitik zurück, statt die Netzphänomene genau zu analysieren. In Crowders Fall fände man dann nämlich doch in seinen Videos den Ursprung für eine „memetische Dynamik des stochastischen Mobbings“ und hätte so einen Weg, um Crowder, seine Follower, sowie Youtube so zu einer echten Haltung und in die Verantwortung zu zwingen, die über „Ich hab ja nur’n Witz gemacht“ und TOS hinausgehen. Tja.