Das Internet bevorzugt Hierarchie und Konservatismus

Jen Schradie untersucht die Soziologie der politischen Partizipation im Netz und stellte in vergangene Studien ein klassenbasiertes Ungleichgewicht fest, nach dem vor allem besser situierte Menschen in mit gute Netz-Anbindungen zur Teilnahme an politischen Debatten im Netz tendieren, während es ärmeren Bevölkerungsschichten sowohl an Zeit, Skills, Möglichkeiten und Organisation mangelt, um am öffentlichen Diskurs teilzunehmen.

In ihrem neuen Buch The Revolution That Wasn’t: How Digital Activism Favors Conservatives beschreibt sie nun ein nur scheinbar gegensätzliches Phänomen. Laut ihrer als Buch veröffentlichten Studie The Revolution That Wasn’t: How Digital Activism Favors Conservatives (Preview auf Google Books) sind es vor allem streng hierarchisch aufgestellte Organisationen, die erfolgreichen digitalen Aktivismus betreiben. Also konservative Gruppen, deren Populismus man heutzutage eher mit Arbeitern und ärmeren Bevölkerungsteilen verbindet, als mit gut situierten und eher urbanen, netz-affinen Schichten.

– Research shows hierarchical, conservative groups are more likely to use the internet as a platform, even though it’s commonly thought of as a space for leftist activism.

– It feels counterintuitive because the original rise of the internet coincided with the ethos of toppling of top-down structures—the internet rose as the Berlin Wall fell, says sociologist Jen Schradie.

– Despite the strong belief that the internet is horizontal, these hierarchical systems achieve high levels of online participation.

In ihrer Untersuchung von Arbeiterbewegungen in North Carolina stellte sie fest, dass die Organisationsform und die Inhalte dieser Bewegungen thematisch sehr viel breiter aufgestellt waren und sehr viel diversere Aktionen beinhalteten, was allerdings den Impact dieser Aktionen enorm schmälert. Im Ergebnis hämmern konservative Gruppen eine Message von Oben nach Unten kontinuierlich in die Köpfe der Leute, während sich progressive Akteure in vielen kleinen Aktionen verlieren, auch weil sie die Organisation ihrer Bewegungen offline bevorzugen.

Ich behaupte nun, dass hierarchisch aufgestellte Gruppen im Netz nicht nur erfolgreicher sind, sondern dass das Netz selbst sehr viel mehr Hierarchien erzeugt, als andere Organisationsformen. Am offensichtlichsten geschieht dies durch die Quantifizierungen digitaler Inhalte, also Like und Retweets, Followerzahlen und ähnliches. Diese Zahlen verleihen Autorität und geben Stimmen Gewicht.

Andere, nicht weniger relevante Faktoren sind der Production-Gap im Netz. 1% der User generieren 95% aller Inhalte, 4% kommentieren und der Rest ist schweigender Konsument (wie und ob sich diese Zahlen durch die Einfachheit der Teilnahme durch Social Media verschoben haben, weiß ich nicht). Eine Hierarchie im Netz kann sich per se nur aus den teilnehmenden 5% aller User speisen und die Publisher sind noch einmal weitaus mächtiger, als alle anderen. Damit meine ich alle Blogger, alle Journalisten, alle Kommentatoren. Hinzu kommen soziale Mechanismen wie Selbstdarstellung, Emotionalität („Sad-Fishing“), Virtue Signaling und so weiter. All diese Mechanismen florieren gerade Netz und erzeugen Hierarchien, die durch Quantifizierungen noch einmal intensiver erfahren werden.

Diese gesteigerte Hierarchiefähigkeit des Internets lässt sich überall beobachten, von den Netzaktivisten und ihrer handvoll hochgehaltener Helden, den Hackern des CCC und seinen scheingeheimen Troll-Hedonisten bis hin zu den Business-Bloggern und Politikern auf der Republica, die vor allem die Frisur vom Lobo sehen möchten. In all diesen Gruppierungen haben sich strenge Hierarchien herausgebildet, die dem ursprünglich egalitären Gedanken des Internets entgegenstehen und einen Personenkult betreiben, den man so eigentlich eher von rechten Gruppierungen kennt.

Der Gedanke, dass progressive Gruppen strengere Hierarchien entwickeln müssen, um im Netz erfolgreich zu sein, beunruhigt mich, es passt aber ebenfalls zum Personenkult unter Aktivisten von Frau Rakete bis Frau Neubauer, sehr wenige prominente Personen geben zumindest oberflächlich betrachtet die Richtung der Bewegungen vor. Hier scheint mir auch eine Verwandtschaft zur „Winner takes it all“-Theorie der Netz-Ökonomie vorzuliegen: Hierarchien im Netz sind genau wie Plattformen das Ergebnis sozialer Gravitation, während hierarchie-diversifizierende Mechanismen wie Kompetenz, Präzision oder Ausführlichkeit geschwächt werden. (Noch beunruhigender: Die These der netz-inhärenten gesteigerten Hierarchiebildung passt sehr genau zur These des neuen Digitalen Faschismus als Emergenz des freien Internets, beides resultiert aus veränderten und verstärkten gesellschaftlichen Synchronisationsfunktionen neuer Massenmedien. Alles nicht schön.)

Studien:
The Digital Activism Gap: How Class and Costs Shape Online Collective Action
Moral Monday Is More Than a Hashtag: The Strong Ties of Social Movement Emergence in the Digital Era

Amazon: The Revolution That Wasn’t: How Digital Activism Favors Conservatives

This surprising study of online political mobilization shows that money and organizational sophistication influence politics online as much as off, and casts doubt on the democratizing power of digital activism.

In this sharp-eyed and counterintuitive study, Jen Schradie shows how the web has become another weapon in the arsenal of the powerful. She zeroes in on workers rights advocacy in North Carolina and finds a case study with broad implications. North Carolina’s hard-right turn in the early 2010s should have alerted political analysts to the webs antidemocratic potential: amid booming online organizing, one of the countrys most closely contested states elected the most conservative government in North Carolina’s history.

The Revolution That Wasnt identifies the reasons behind this previously undiagnosed digital-activism gap. Large hierarchical political organizations with professional staff can amplify their digital impact, while horizontally organized volunteer groups tend to be less effective at translating online goodwill into meaningful action. Not only does technology fail to level the playing field, it tilts it further, so that only the most sophisticated and well-funded players can compete.

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Jonathan Haidt über Social Media als Outrage-Machine

Jonathan Haidt erklärt im amerikanischen Sender PBS die Hintergründe seines kurzen Essays im Atlantic über die dunkle Psychologie der Sozialen Medien und warum sie sich innerhalb weniger Jahre in Empörungsmaschinen verwandelten. Hätte uns doch nur jemand gewarnt! –>

In a time of heightened political tension, Jonathan Haidt has a good idea of what’s driving this polarized atmosphere around the world. He is a social psychologist who believes social media has transformed in recent years to become an “outrage machine,” spreading anger and toxicity. He sits down with Hari to discuss this difficult problem and what the possible solutions could be.

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Die Gamifizierung des öffentlichen Diskurses

Sehr guter Vortrag von C. Thi Nguyen beim Royal Institute for Philosophy, der die Phänomene digitaler Empörungskultur hier hervorragend als Gamifizierung des öffentlichen Diskurses analysiert und ein wenig Ordnung und Klarheit in der Debatte um Internet-Outrage schafft.

Echo-Chambers sind ein altbekanntes Phänomen und existieren, seit dem es Menschen gibt und Nguyen fragt in seinem Talk nach den Dynamiken sozialer Medien, die dieses alte Phänomen im Netz so massiv eskalieren lassen, dass sie in den massenhaften Empörungswellen und Shitstorms münden, die wir heute kennen und die den Eindruck vermitteln, das Internet sei „kaputt“. Dabei funktioniert es ja genau, wie es soll: Es vernetzt und bringt uns näher zusammen, einfacher als jemals zuvor. Und genau das ist das Problem, denn genau das bietet Einfallstore für emotionale, psychologische Manipulation on a massive Scale.

Laut Nguyen ermöglicht das Netz eine massive Komplexitätsreduktion und Kommodifierung unserer moralischen Werte, die wir in „spielerischen“ Quantifizierungen wie Likes und Retweets für den eigenen Vorteil ausbeuten. Wir banalisieren unsere Werte, um online Spiele zu betreiben „for pleasure“, also um uns zu Vergnügen. Nguyen beschreibt dann einen Prozess, in dem wir unsere Moral behandeln wie Porno und oberflächlich „moralische Werte“ proklamieren, ohne tatsächlich moralisch zu handeln (Porno ist sexuelle Handlung ohne tatsächliche sexuelle Intimität). Ich schreib bereits vor Jahren, dass wir uns im Internet gerne empören, weil es uns tatsächlich biologisch anturnt. Genau deshalb bezeichne ich dieses Emo-Netz als „Neues Geiles Internet“.

Diese Gamifizierung macht aus unserer Moral reines Futter in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeits. Virtue Signaling ist die Munition im Ego-Shooter scheinsozialer Medien und unsere Werte werden dank prominent ausgestellten Likes und Follower-Zahlen zum reinen Score in diesem neuen Spiel.

Hier die Zusammenfassung seines Vortrags von einer Vorlesung an der Uni Santa Cruz:

The Gamification of Public Discourse

The pleasures of games include, among other things, the experience of a fantasy of value clarity. In games, our goals and values are clear, quantified, and easy to apply and rank. This provides us with a particular existential balm – a momentary liberation from the ambiguities and difficult pluralities of moral life. Games instrumentalize our ends, for the sake of the pleasure of the experience of play. This is morally acceptable in games, because the ends in games are temporary and disposable. Instrumentalizing our enduring epistemic ends, on the other hand, invites bad faith reasoning. Social media encourages the instrumentalization of our epistemic ends, by offering highly salient quantified targets: Facebook Likes and Twitter Likes and Retweet numbers. It invites us to shift the ends of public discourse from some more subtle value towards, say, maximizing retweet numbers. We would thereby increase the pleasures of value clarity from engaging in discourse. Importantly, among those pleasures are: the pleasures of the simplified experience of moral outrage, and the pleasures of being part of a united epistemic community. But changing one’s epistemic aims for the sake of these pleasures is bad faith reasoning. And the form of the pleasures may help us to understand the relationship between social media and the formation of echo chambers.

The gamification of public discourse is an example of what I call “value capture”. Value capture occurs when: 1.) our values are naturally rich and subtle; 2.) we are placed in a social or institutional setting with simple, explicit, typically quantified representations of those values; 3.) we internalize those simple representations of our values; and 4.) things get worse. Some other examples include being value captured by FitBit’s step counts, academic citation rates, and GPA’s. The gamification of public discourse helps us see how we can understand the problem of value capture: it’s the inappropriate instrumentalizatio of an end.

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„Russians are hacking my Brain“: Neue Studie über Putins Troll-Fabrik

Darren Linvill und Partick Warren formalisierten im Oktober im großartig betitelten Paper „THE RUSSIANS ARE HACKING MY BRAIN!“ die Strategie der russischen „Troll-Factory“ IRA (Internet Research Agency) und identifizierten sieben Verhaltensweisen: Angriffe auf Linke/Rechte, Unterstützung von Linken/Rechten, Angriffe auf Medien, Angriffe auf Institutionen und „Deckung“, wobei Camo-Tweets zur Verschleierung der wahren Identität des Accounts mit der Hälfte den größten Teil aller Tweets ausmachen.

Nun haben sie die Erkenntnisse in einem Artikel im Rolling Stone zusammengefasst und geben einen Ausblick auf die neuen Desinformations-Strategien: That Uplifting Tweet You Just Shared? A Russian Troll Sent It. Anscheinend sind die russischen Manipulateure mittlerweile dazu übergegangen, nicht mehr einfach nur alle Seiten mit falschen und/oder emotional aufgeladenen Info-Bits zu bespielen, sondern klassischen Emo-Clickbait einzuarbeiten, wie man ihn zu Beginn der 2010er von Webseiten wie Upworthy kannte. Feelgood-Stories mit Agenda, die den politischen Gegner im Subtext natürlich immer als kaltblütiges Monster zeichnet.

Das Ziel dieser Desinformations-Kampagnen im Vorfeld der US-Wahl 2020 ist nicht die gezielte Streuung falscher Informationen, sondern die Destabilisierung westlicher Gesellschaften durch das Untergraben des Vertrauens in Information an sich, ein Tiefes Misstrauen in alle Nachrichten und alle Informationskanäle, die ultimative Fragmentierung der Gesellschaft durch eine Spaltung aller gesellschaftlichen Akteure, die nicht nur alleine die USA betreffen: Russlands Verbindungen zur AFD verdeutlichen die Relevanz der Arbeit von Linvill und Warren auch hierzulande – das sinkende Vertrauen in die Medienlandschaft und Institutionen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch hierzulande von der IRA mindestens sehr genau beobachtet oder gezielt manipuliert.

Man kann nur immer und immer wieder auf Peter Pomerantsevs Buch „Nichts ist wahr und alles ist möglich: Abenteuer in Putins Russland“ hinweisen (und den Nachfolger: „This is Not Propaganda: Adventures in the War Against Reality“), in dem Pomerantsev die Folgen dieses Realitätsverlusts für die russischen Gesellschaft beschreibt, die durchzogen ist von einem tiefen Zynismus und Misstrauen gegenüber allen Informationskanälen und allen Institutionen.

Freilich: Weder diese Studie noch der Artikel treffen irgendeine Aussage über den tatsächlichen Impact dieser russischen Desinformations-Kampagnen. Alles was wir bislang sagen können, ist, dass es sie gibt und dass die Russen jede Menge Facebook-Anzeigen gekauft haben für alle möglichen Partikular-Interessen von Black Lives Matter bis zur amerikanischen Waffenlobby. Aber auch diese Unsicherheit trägt letztlich zu genau dieser strategischen Destabilisierung bei.

Rolling Stone: That Uplifting Tweet You Just Shared? A Russian Troll Sent It

Russian disinformation is not just about President Trump or the 2016 presidential election. Did they work to get Trump elected? Yes, diligently. Our research has shown how Russia strategically employed social media to build support on the right for Trump and lower voter turnout on the left for Clinton. But the IRA was not created to collude with the Trump campaign. They existed well before Trump rode down that escalator and announced his candidacy, and we assume they will exist in some form well after he is gone. Russia’s goals are to further widen existing divisions in the American public and decrease our faith and trust in institutions that help maintain a strong democracy. If we focus only on the past or future, we will not be prepared for the present. It’s not about election 2016 or 2020.

The IRA generated more social media content in the year following the 2016 election than the year before it. They also moved their office into a bigger building with room to expand. Their work was never just about elections. Rather, the IRA encourages us to vilify our neighbor and amplify our differences because, if we grow incapable of compromising, there can be no meaningful democracy. Russia has dug in for a long campaign. So far, we’re helping them win.

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„Social media is broken“

3. Dezember 2019 15:20 | #Leitartikel #Media #Social Media #synch

Annalee Newitz in der New York Times über Auswege aus dem neuen geilen Internet: A Better Internet Is Waiting for Us: „Social media is broken. It has poisoned the way we communicate with each other and undermined the democratic process.“

Ich finde den Text der ehemaligen Chefin des ehemaligen Gawker-Blogs io9 insgesamt leider erstaunlich ideenlos. Schuld sind, wie immer, mangelhafte Datensicherheit und Big Business in Silicon Valley, während sie das Wort „Psychology“ an keiner Stelle erwähnt. Am interessantesten finde ich den Ansatz von SciFi-Autor John Scalzi, der schlichtweg die Sharing- und Engagement-Mechanismen auf Social Media-Plattformen unbequemer machen möchte und einen Default-Block für alle Inhalte außer den eigenen einführen möchte.

Das erinnert mich daran, dass dies eigentlich der Default-Zustand der alten Technologie des RSS-Readers ist. Ein Feedreader ist im Default-Zustand leer und es braucht Aufwand, um mit anderen in Kontakt zu treten (man muss Websites besuchen, den RSS-Link finden, in den Feedreader eintragen und so weiter. Es gibt kein simples „Follow“. Um zu kommunizieren muss man Websites besuchen und Kommentarfelder ausfüllen. Es gibt keine Likes.)

In einer anderen Welt hat Google möglicherweise nie seinen GoogleReader eingestellt und anstatt mit GooglePlus eine weitere, völlig neue Social Media-Umgebung zu starten, hätten sie eine Plattform um die Rezeption und Wahrnehmung von Nachrichten in RSS-Feeds gebaut, auf der die Meldungen von Nachrichten-Websites und Blogs egalitär nebeneinander existierten und nicht algorithmisch kuratiert werden, sondern nach wie vor manuell. Möglicherweise wäre Facebook dann heute immer noch der Hot-or-Not-Ripoff eines notgeilen Zuckerbergs an der Uni und Trump wäre immer noch ein abgehalfteter Versager im Reality-TV und in dieser Welt hätte Newitz immer noch io9 am Start und müsste nicht verzweifelte Texte über den Zustand kaputter sozialer Medien schreiben. Schöne neue Welt und so weiter.

Is it possible to create a form of digital communication that promotes consensus-building and civil debate, rather than divisiveness and conspiracy theories?

That’s the question I posed to John Scalzi, a science fiction writer and enthusiastic Twitter pundit. His books often deal with the way technology changes the way we live. In “Lock In,” for example, people with full body paralysis are given brain implants that allow them to interact with the world through robots — or even, sometimes, other people. The technology improves lives, but it also makes the perfect murder a lot easier.

Mr. Scalzi is fascinated by the unintended consequences that flow from new discoveries. When he thinks about tomorrow’s technology, he takes the perspectives of real, flawed people who will use it, not the idealized consumers in promotional videos.

He imagines a new wave of digital media companies that will serve the generations of people who have grown up online (soon, that will be most people) and already know that digital information can’t be trusted. They will care about who is giving them the news, where it comes from, and why it’s believable. “They will not be internet optimists in the way that the current generation of tech billionaires wants,” he said with a laugh. They will not, he explained, believe the hype about how every new app makes the world a better place: “They’ll be internet pessimists and realists.”

What would “internet realists” want from their media streams? The opposite of what we have now. Today, platforms like Facebook and Twitter are designed to make users easy to contact. That was the novelty of social media — we could get in touch with people in new and previously unimaginable ways.

It also meant, by default, that any government or advertiser could do the same. Mr. Scalzi thinks we should turn the whole system on its head with “an intense emphasis on the value of curation.” It would be up to you to curate what you want to see. Your online profiles would begin with everything and everyone blocked by default.

Think of it as a more robust, comprehensive version of privacy settings, where news and entertainment would reach you only after you opted into them. This would be the first line of defense against viral falsehoods, as well as mobs of strangers or bots attacking someone they disagree with.

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Konservative Menschen haben eine ausgeprägtere Negativity Bias

Neue Studie zur bekannten Negativity Bias, laut der wir vor allem schlechten Nachrichten grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Diese Negativity Bias ist universell und wird auf der ganzen Welt beobachtet und diese Negativitäts-Verzerrung reicht sogar so weit, dass positiv besetzte Worte inhaltlich weniger Information transportieren, als negativ besetzte Begriffe und unsere Verzweiflung wird besondern spürbar in der Tatsache, dass wir zwar mehr positive Happy-Begriffe benutzen, negative Begriffe aber weitaus vielfältiger sind.

Der Grund dafür liegt in der Evolution des Menschen. Wenn wir als Affen eine Schlange im Gras sehen, davonrennen und andere warnen, überleben wir. Selbst wenn es keine Schlange war, sondern ein rumliegender Apfel. Würden wir als Affen nun eher Schlangen im Gras mit herumliegenden Äpfeln verwechseln, wären wir längst ausgestorben. Deshalb ist es für Affen gesünder, eine Menge Begriffe für die Bedrohungen durch Schlangen im Gras zu finden (und zwar auch „Nicht-Schlangen“), als für herumliegende Äpfel. Deshalb selektiert die Evolution richtige wie auch falsche Wahrnehmungen von Gefahren, denn das Gegenteil führt zum Tod der Spezies. Und deshalb gibt es vielfältigere Begriffe für Negativität als Happy-Love-Pink-Sweetie-Rainbowbubbles, die mehr Information transportiert.

Und nun hat man diese Negativitäts-Verzerrung der Realität für die Selektion von Nachrichten untersucht mit dem Ergebnis, dass vor allem konservative Männer ihre Aufmerksamkeit auf schlechte Nachrichten lenken. Darüber hinaus korrelieren vor allem das mit Konservatismus assoziierte psychologische Merkmal der Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit) mit „Negativity Bias In News Selection“, während gleichzeitig progressiv assoziierte Merkmale wie Offenheit mit weniger Negativitäts-Verzerrung korrelieren.

Auf der eher progressiven Seite korreliert die Negativitäts-Verzerrung mit politischem Interesse. Aktivisten haben also eine höhere Negativity Bias als weniger politisch interessierte Menschen. Ich interpretiere diesen Teil der Studie so, dass die Eigenschaft der Offenheit bei progressiven, politisch interessierten Menschen diverse „Sorgen um den Zustand der Welt“ auslöst und damit die Negativitäts-Verzerrung erhöht.

Spannende Studie, grade für Medienmacher und Journalisten: Individual-level differences in negativity biases in news selection.

Women show significantly lower levels of NBNS than men, and both political interest and con- servative political ideology are associated with higher NBNS. There also is a significant interaction between political interest and left-right ideology. Fig. 2 illustrates this interaction (i.e., the estimated impact of ideology on NBNS conditional on low versus high political interest). Amongst those who identify as being at the far right of the ideological spectrum, political interest makes little difference – NBNS is relatively high in general. Moving to the left of the ideological scale suggests a difference, however. Those who are more liberal-leaning with high political interest do not decrease in NBNS at the same rate as those with low political interest. Put differently, amongst those on the left of the ideological scale, political interest increases negativity bias in news selection and amongst those on the right, NBNS is comparatively high regardless of interest. This is line with work suggesting a connection between right-wing ideology and other negativity biases (e.g., Hibbing et al., 2014). […]

There is reason to expect that individual-level variation in negativity biases has an important and durable impact on individuals’ news media use, as well as on a range of economic and political attitudes. This paper has taken a first step toward measuring a negativity bias in news selection. We find that while on balance there is a bias towards negativity, there are individual-level differences. These differences appear to be partly pre-dispositional; that is, they appear to be durable, demonstrated both by correlations with demographic, partisan and personality measures, and by within-respondent correlations across time. We also find that these individual-level differences are correlated with a variety of economic and political attitudes.

We take these results as evidence of the potential importance of negativity biases in news selection (NBNS) in understanding attitudes about governments, the economy, and other politically and economic- ally-relevant attitudes. We also suspect that NBNS moderates the impact of news content – those who are high in NBNS may select into a rather different information stream than those who are low in NBNS, which could subsequently shape their political perspectives.

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Batwomans digitale Molotov-Postmoderne

DC Comics hat ein Poster mit Batwoman und Molotov-Cocktail von seiner Instagram-Seite gelöscht, weil irgendwelche Leute in China meinen, es sei eine Unterstützung der Proteste in Hong Kong. Absurderweise handelt es sich um ein Variant Cover und Werbung für das neuen Comic von Frank Miller, der mit The Dark Knight Returns eine der ikonischsten Manifestationen des Batman-Characters erschuf und ein mindestens andeutungsweise reaktionäres Comic, in dem der dunkle Ritter mit Aufständischen Selbstjustiz und politischen Terror verbreitet, Dinge die der chinesischen Regierung nicht fremd sind.

DC Comics is under fire from Chinese fans over a Batman comic book poster that they perceive to be supportive of the ongoing Hong Kong protests. DC shared artwork this week depicting Batman throwing a Molotov cocktail. This stark imagery is superimposed over bright pink text that reads: “The future is young.”

The poster is being used to promote the December 11 release of DC Black Label comic book Dark Knight Returns: The Golden Child, written by popular comic scribe Frank Miller. Black Label is a DC Comics imprint featuring titles for more mature audiences.

Willkommen in der vollendeten digitalen Postmoderne, in der jeder Mensch jedes Batman-Pic nach eigener Perspektive auslegt, in einem sozialen Internet, in dem der mediale Veröffentlichungsprozess radikal demokratisiert und auf einen Klick geschrumpft wurde. Ganz selbstverständlich wird nun ein Motiv mit Batwoman mit Molotov-Cocktail im Hong Kong während der Proteste als Unterstützung der Aufstände gelesen, denn das Bild ist für jeden Batman-Fan dort eine symbolische Repräsentation – ganz egal ob DC Comics das beabsichtigt hatte oder nicht.

Die Vorführung eines pro-revolutionären mexikanischen Films aus den 60s in einem Underground-Kino in Berlin kann auf Twitter zu einer symbolischen Unterstützung für die Proteste in Chile werden, schlichtweg aus Gründen der Sichtbarkeit und Geschwindigkeit. Es genügt ein Retweet mit Hashtag. DC Comics kann in dieser Welt fünfhundert mal verlautbaren lassen, dieses habe Poster nichts mit diesem Protest in Hong Kong zu tun, es sei nur eine symbolische Repräsentation des Akts des Protests an sich, es habe nichts mit realen Ereignissen zu tun und sei reine Fiktion. All das ist irrelevant, denn das Bild repräsentiert ganz real und ganz natürlich gleichzeitig Aufstände in Chile, im Iran, in Hong Kong und bei den Klimaprotesten in den Köpfen der dortigen Teilnehmer. DC Comics’ Erklärungsversuche sind nicht relevant, denn die Freiheit zur globalen Interpretation macht das Bild immer überall zur gleichermaßen feindlichen wie ermunternden Aussage für viele.

Und genau das passiert mich sämtlicher Sprache, allen Aussagen und jeder Meme. Das Netz als Erfüllungsgehilfe des Postmodernismus zerstört die Gemeinsamkeit symbolischer Repräsentation durch Bedeutungs-Überlastung. Das Bild eines Aufstandes, das sämtliche aktuellen Proteste symbolisiert, wird zum billigen Stock Photo, es repräsentiert alles und damit nichts. Die Kategorien der Sprache lösen sich auf und wir stehen vor den Trümmern der Bedeutung selbst. Das neue daran ist nicht, dass jeder und alle nur das lesen, was ihre eigene kontemporäre Identität betrifft, sondern dass alle anderen nun daran Teil haben können.

Das politische Analyse-Tool der Intersektionalität erschafft in dieser digitalen Postmoderne eine Hyperinterpretation der Symbolik: die Analyse aller Aussagen aus allen Perspektiven vermint den Sprachraum, jedes Wort wird Waffe und Liebeserklärung gleichermaßen – ein Batman-Variant-Cover wird politisches Symbol für Aufstand, Unterdrückung, Freiheit und überhaupt alles.

In dieser Welt lesen Leute mit Pickeln am Arsch in einem Batman-Poster den Aufruf zum Aufstand gegen Dermatologen, während die Chilenen die Symbolik des Bildes für sich beanspruchen, Feministinnen sehen in dem Batwoman-Bild einen Protest gegen das Patriachat und in Bolivien tragen sie nun Batman-Outfits gegen ein autoritäres Regime – es wäre fast lustig, wenn es nicht so brandgefährlich wäre. Das Internet und sein technologisch forciertes soziales Paradigma der hierarchiefreien Selbstorganisation offenbart sich als emotional manipulierbares, hysterisches Geschwätz in Hyperspeed, anfällig für Schlangenölverkäufer und Tyrannen auf aller Welt.

Das postmoderne Projekt der Überwindung der Mythen bedeutet in seiner realen digitalen Manifestation die Atomisierung unserer Wirklichkeit in 8 Milliarden Welten – allesamt valide, echt und relevant. Das Internet ist verwirklichte postmoderne Utopie und sie ist ein Alptraum.

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Die Moral der neuen globalen Eliten

Genauso ätzende wie zutreffende Kritik an den neuen Eliten von Alexander Grau in der NZZ. Der Text baut auf dessen Buch Hypermoral auf, in dem er diese Moralisierung als emotionalisierendes Werkzeug im Kampf um die Meinungshoheit identifiziert, was in diesem neuen geilen Internet und seinen emotional synchronisierenden scheinsozialen Medien auch ganz hervorragend funktioniert.

NZZ: Sie sind überall zu Hause, ihr Lifestyle ist moralisch aufgeladen, und sie sehen sich als Speerspitze des Fortschritts: Eine Analyse der neuen globalen Eliten

Da die neuen Eliten sich vor allem als progressiv, als Avantgarde definieren, ist die von ihnen proklamierte Moral zunächst auf eine Überwindung des Überlieferten und Gegebenen ausgerichtet. Man versteht sich als Vorkämpfer des Modernismus, als Reformkraft, die die Menschheit in eine bessere Zukunft führt. Man gibt sich progressiv und feiert die Überwindung des Gestern. Überlieferte Vorstellungen und tradierte Wertehaltungen gelten als verdächtig. Sie gilt es hinter sich zu lassen.

Zum Habitus der neuen Eliten gehört daher konsequenterweise eine Beschäftigung in sogenannten Zukunftsbranchen. Man arbeitet im IT-Bereich, im Kultur- oder Medienbetrieb, vielleicht aber auch bei einem weltweit agierenden Konzern oder einer internationalen Organisation. Und da man sich in diesem Umfeld ausschliesslich unter seinesgleichen bewegt, vereinigen sich Kosmopolitentum und Provinzialität, Weltoffenheit und Borniertheit zu einer historisch singulären Ideologie.

Elite zu sein, wird zu einer Gesinnungs- und Lifestylefrage, wobei sich Gesinnung und Lifestyle unmittelbar miteinander verschränken. Nationale Kulturen hält man per se für überholt, Grenzen jeder Art für Ausdruck von Borniertheit, man ist polyglott und bastelt sich seinen individuellen Lebensstil aus den Versatzstücken des globalen kulturellen Angebots: Man liebt französische Filme, entspannt bei indischem Yoga, geniesst italienische Küche und bevorzugt skandinavisches Design. […] Vor allem aber fühlt man sich als Teil einer neuen, globalen Kultur und Avantgarde, besagter Hyperkultur, die in Berlin und Zürich ebenso zu Hause ist wie in Sydney. Man definiert sich nicht über lokale Verortung, sondern über die sozialen Netzwerke der Gleichgesinnten.

Diese Hyperkultur ist in ihrer Radikalität neu. Allerdings kündigte sie sich seit zweihundert Jahren an, als die «schrecklichen Kinder der Neuzeit» (Peter Sloterdijk) zum Massenphänomen wurden. Denn die Moderne ist die erste Epoche, deren Identität darin besteht, sich permanent selbst überwinden zu wollen. Die Moderne will modern sein. Und modern sein bedeutet, fortschrittlich zu sein. Exponent dieser Zerschlagung des Vorhandenen und Überlieferten war über zwei Jahrhunderte das Bürgertum. Und es ist nur konsequent, dass am Ende der Moderne die Selbstzerstörung des Bürgertums im Namen der Bürgerlichkeit steht.

Wikipedia zum Buch Hypermoral – Die neue Lust an der Empörung: „In seinem Buch Hypermoral setzt sich Grau kritisch mit dem Phänomen auseinander, dass Moral bzw. moralische Begründungen des politischen und gesellschaftlichen Handelns in modernen westlichen Gesellschaften eine nie dagewesene Relevanz und Reputation genießen. Moral habe eine meinungsbildende Monopolstellung bekommen, andere rationale Erwägungen (technische, wissenschaftliche, ökonomische) würden diskreditiert (Hypermoral. S. 10). Dafür macht Grau vier historische Entwicklungen verantwortlich: die Säkularisierung, die Individualisierung, das Entstehen einer Massengesellschaft und die Massenmedien. Die Moralisierung quasi aller gesellschaftlichen und politischen Fragen diene im Kern der Emotionalisierung und damit der Massenmobilisierung im Kampf um die öffentliche Meinung.“

Diese Moralisierung wird laut Grau von der neuen kreativen, kosmopolitischen, globalen Klasse vorangetrieben, was angesichts neuer Studien so nicht haltbar ist: Vor allem konservative Männer erliegen der Empörung und zeigen in ihrer täglichen Auswahl von Meldungen eine Neigung zur Negativität („negativity biases in news selection“) und damit auch zur Empörung und Wut. Im eher linken Spektrum zeigt sich diese Verzerrung vor allem bei politisch engagierten Menschen, also vor allem bei Aktivisten auf Twitter. Man könnte auch sagen: Die Moralisierung und dazugehörende Empörung werden von konservativen Männern und linken Aktivisten gleichermaßen betrieben und beide steigern sich in einer Empörungsspirale in immer absurdere Extreme.

Dennoch ist die Kritik Alexander Graus der globalen kreativen (und oft linksidentitären) Klasse zutreffend, genau eine solche schonungslose Analyse würde ich mir für konservative Berufsaufreger ebenfalls wünschen und das Bild der neuen Eliten ist ohne das Bild der alten Eliten nicht vollständig, die Gelder in Fossile Brennstoffe oder rechte Organisationen, denn die Moralisierung mag ein Werkzeug der Emotionalisierung in Massenmedien sein, sie ist aber ebenso ein althergebrachter Protest gegen Schattenwirtschaft, Korruption und menschenverachtende Politik. Ein Aspekt den Grau leider außen vor lässt.

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Empathie steigert Polarisation

Forscher haben in einer neuen Studie die Rolle von Empathie in der Polarisation der politischen Diskurse untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass Empathie Feindseeligkeit nicht nur nicht reduziert, sondern erhöht. Und Versuchspersonen mit höheren Empathie-Leveln neigten gleichzeitig zu mehr Schadenfreude. Wired bezeichnet die Studie als „urgently important“, da Empathie in der Öffentlichkeit nach wie vor als Eigenschaft angesehen wird, die Polarisation und Konflikt verringern kann, dabei erreicht sie genau das Gegenteil: Empathische Menschen sind vor allem gegenüber Freunden mitfühlend, für den Gegner verursacht Empathie vor allem Schadenfreude und im schlimmsten Fall gesteigerte Konfliktbereitschaft.

Wired: Empathy Is Tearing Us Apart
Paper: How Empathic Concern Fuels Political Polarization

The study had two parts. In the first part, Americans who scored high on an empathy scale showed higher levels of “affective polarization”—defined as the difference between the favorability rating they gave their political party and the rating they gave the opposing party. In the second part, undergraduates were shown a news story about a controversial speaker from the opposing party visiting a college campus. Students who had scored higher on the empathy scale were more likely to applaud efforts to deny the speaker a platform.

It gets worse. These high-empathy students were also more likely to be amused by reports that students protesting the speech had injured a bystander sympathetic to the speaker. That’s right: According to this study, people prone to empathy are prone to schadenfreude.

Empathie korreliert mit hohen Werten des „Kuschelhormons“ Oxytocin, das vor allem den sozialen Zusammenhalt innerhalb von Gruppen erhöht, gleichzeitig aber Ausgrenzung für Nicht-Gruppenmitglieder steigert. Gesteigerte Oxytocin-Level sind zum Beispiel bei Nationalisten anzutreffen und korrelieren mit Ethnozentrismus.

Die Wirkung von Social Media auf Oxytocin-Level und damit auch Empathie sind bislang (noch) nicht gut untersucht, ein erstes Experiment hatte allerdings Steigerungsraten bis 150% gemessen. Mich würden an dieser Stelle vor allem die Dynamiken zwischen Online Disinhibition Effect und der Hormon-Ausschüttung interessieren.

Der ODE beschreibt den Effekt, den die Anonymität und die Abwesenheit des Kommunikationspartners in den sozialen Medien auf unser eigenes Verhalten hat. Es ist sehr gut möglich, dass dieser Anonymitäts-Effekt durch die Dynamiken in der Online-Kommunikation zwischen guten, persönlich bekannten, engen Freunden und fremden, unbekannten Menschen auf Social Media die „Kuschelei“ mit der In-Group notwendiger macht, da wir dort praktisch ständig von Fremden umgeben sind. Sollte der ODE nun den Hormonhaushalt verändern und die Oxytocin-Level in gesellschaftlicher Breite anheben, dürfte genau hier die Ursache für die hohe Konfliktbereitschaft in den sozialen Medien liegen.

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Jonathan Haidt über die dunkle Psychologie der sozialen Medien

Jonathan Haidt im Atlantic über die Psychologie der sozialen Medien und die Implikationen für den politischen Diskurs. Haidt beschreibt, wie die immer reibungsloser funktionierenden Sharing-Mechanismen der Plattformen und die immer transparenter und sichtbarer werdenden sozialen Metriken (Likes, Retweets, Shares und so weiter) alle Teilnehmer in die Rolle von „Moral Grandstanders“ (dt. „moralische Selbstdarsteller“) presste, dem sozialphilosophischen Term für das, was im Netz häufig als „Virtue Signaling“ bezeichnet wird. („Moral Grandstanding“ wurde in einer neuen Studie übrigens als Indikator für Konflikt-Anfälligkeit bezeichnet.)

Haidt beschreibt hier in einer handvoll Absätzen die Sozialen Medien als Outrage-Maschine, die durch ein paar sehr simple sozialpsychologische Mechanismen den kompletten Diskurs vergiftet haben. Das neue daran sei nicht die Wut oder die Empörung, die es im politischen Diskurs seit immer gab, sondern die Beschleunigung und Sichtbarkeit der Veröffentlichungsprozesse, die Demokratisierung der Publishing-Tools bei gleichzeitigem Wegbruch der Gatekeeper, sowie ein Verlust tradierten Wissens. Nichts neues, aber nochmal nett zusammengefasst.

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