ContraPoints on Canceling

Die großartige Natalie Wynn in einem langen 100 Minuten-Video über Canceling-Culture und die Unterschiede zu Kritik: Canceling arbeitet mit 3 Levels: 1.) Aus einem konkreten Fehlverhalten (X did Y, Level 1) wird ein allgemeines Fehlverhalten (X always does Y, Abstraktion auf Level 2) und die wiederum als ad hominem angriff (X is Y, Level 3) konstruiert. Kritik hätte bei Level 1 eingesetzt und möglicherweise Level 2 eingebunden, that’s it, der Rest ist Bullying.

From the comments:

„I’m a non-binary trans woman and I was cancelled 7 years ago by my local leftist activist community. I had a lot of suicidal thoughts as the way literally everyone I knew and depended on as my community turned on me. It’s really hard to not have your thoughts race with anxiety in that situation. I believed I was the horrible human being they said I was. I didn’t even know first-hand what anyone said. I only heard third-hand rumors. To see this manifest in online spaces now I know what the consequences are and it may be a long time before people figure out that cancel culture is toxic bullying.“

Interessante Stelle, aus dem Video bei 1:11h:

Jesus Christ, the situation here is that any citizen who defends me or even associates with me in any way will be labeled a Transfer. Any binary trans person who associates with me will be branded a MP Phobe and any non-binary people who associate with me will be ostracized from their own community. So in the Internet, I find myself increasingly alone. I’m isolated by the harassment and that is ultimately the point.

Was Natalie hier beschreibt, nannte ich vor drei Jahren in Vorträgen die Erfüllung der Postmoderne durch das Netz, in der jedes Wort zur Waffe wird, da wir durch die Hypersichtbarkeit jede erdenkliche Diskriminierungssituation erzeugen: irgendjemand fühlt sich immer angegriffen, manchmal zurecht, manchmal nicht, je nachdem wie die Sprache ausgelegt wird oder gemeint ist und ob das eine Rolle spielt oder nicht. Für den einen ist das Wort “blau” antagonistisch, für den anderen “rot”, zusammen erzeugen wir einen Raum in dem man nicht mehr über Farben reden kann, ohne dass sich jemand angegriffen fühlt. Das multiplizieren wir mit 4 Millarden Usern und addieren Dekontextualisierung und die Editierungsmöglichkeiten des Digitalen: Die ultimative Dekonstruktion der Sprache.

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